Kommunikation zwischen getrenntem Vater und Kindsmutter

Willst Du als getrennter Vater mit Deinem Nachwuchs telefonieren oder das nächste Wiedersehen planen, bleibt in der Regel nur der Weg über die Mutter. Ab einem gewissen Alter oder vielmehr Entwicklungsstand Deines Kindes kannst Du natürlich ohne Probleme den Kontakt direkt aufnehmen. Aber bis dahin – bis zu einem geschätzten Alter von ungefähr 15 Jahren – führt der Weg unweigerlich über die Mutter.

 

Mir ist bewusst, dass es sich nicht in jedem Einzelfall um die leibliche Mutter des Kindes handelt, mit der Du es als getrennter Vater eventuell zu tun hast. Ich beschränke meinen Beitrag aber trotzdem auf diese Konstellation, weil sie den typischen Fall darstellt. Für alle anderen Fälle gilt dieser Beitrag sinngemäß.

 

Es gibt noch viele weitere Gründe, die eine Kommunikation mit der Mutter erforderlich machen können. Es kann sich zum Beispiel um finanzielle Themen oder um Erziehungsfragen drehen. Oder vielleicht möchtest Du Dich über die Entwicklung Eures Kindes, über dessen schulische Leistungen oder andere Neuigkeiten erkundigen.

 

Wie Du vielleicht selbst weißt oder Dir vorstellen kannst, kann das sehr einfach, zuverlässig und unproblematisch funktionieren. Falls das bei Dir so ist, beglückwünsche ich Dich sehr herzlich und hoffe für Dich, dass das noch lange so bleibt. Diesen Beitrag kannst Du dann getrost überspringen.

 

Das andere Extrem wäre, dass die Kommunikation mit der Mutter überhaupt nicht funktioniert, oder anders gesagt, keine Kommunikation stattfindet. Falls das bei Dir so ist, tut mir das sehr leid. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, welchen Rat ich Dir geben könnte. Ich hoffe aber, dass Du mit der Situation einigermaßen zurechtkommst und vielleicht sogar tatkräftige Unterstützung dabei hast.

 

Der Schwerpunkt dieses Beitrags liegt zwischen den beiden Extremen: die Kommunikation mit der Mutter funktioniert – mehr oder weniger – mal so, mal so – mehr schlecht als recht. Ich unterstelle einfach mal, dass das in den meisten Fällen so läuft. Es soll in diesem Beitrag auch keine Rolle spielen, wer dabei den Schwarzen Peter hat, denn in der Regel gehören dazu immer mindestens Zwei.

 

Was meine ich mit einer Kommunikation, die mehr oder weniger funktioniert? Zunächst einmal denke ich dabei an die Häufigkeit oder noch mehr die Regelmäßigkeit. Als getrennter Vater hängt man am Informationstropf der Mutter. Die Mutter bekommt alles mit, was sich beim Kind tut. Sie erlebt hautnah alle Freuden und Leiden, ist in die allermeisten Themen eingebunden und hat Informationen aus erster Hand.

 

Ich ahne, was die eine oder andere Mutter jetzt vielleicht denkt: ich bekomme von meinem Kind überhaupt nichts mit, er/sie erzählt mir nichts, schließt sich in sein Zimmer ein oder ist nur selten Zuhause. Aber das ist das typische Verhalten in der Pubertät und soll in diesem Beitrag nicht zum Schwerpunkt werden. Bis zur Pubertät ist es jedoch unzweifelhaft so, dass die Mutter so ziemlich über alle Belange des Kindes im Bilde ist.

 

Und der Vater? Durch die Trennung wird er von diesem Informationsfluss regelrecht abgeschnitten. Und wenn keine regelmäßige Kommunikation zwischen Mutter und Vater passiert, dann steigt die Gefahr der Entfremdung zwischen Vater und Kind drastisch an. Der Vater bekommt nichts mehr mit, hat keine Ahnung und ist irgendwann komplett außen vor.

 

Die regelmäßige Kommunikation mit der Mutter ist deshalb – zumindest bei kleinen Kindern - absolut notwendig, um als Vater an Bord zu bleiben. Sonst kann es passieren, dass man als Vater irgendwann nicht einmal mehr in der Lage ist, für sein Kind ein Geburtstagsgeschenk auszusuchen, weil man keine Ahnung hat, wofür sich die Tochter oder der Sohn gerade begeistert. Und das ist wirklich bitter!

 

Somit würde ich an allererster Stelle die Regelmäßigkeit der Kommunikation nennen. Aber genügt alleine schon eine regelmäßige Kommunikation, um als getrennter Vater einen möglichst umfassenden Einblick in das Leben des eigenen Kindes zu erhalten und zu behalten?

 

Allein die Tatsache, dass ich diese Frage in den Raum stelle, legt die Antwort schon nahe: nein. Es genügt nicht, regelmäßig zu kommunizieren, sondern es kommt auch auf die Qualität der Kommunikation an. Hiermit meine ich die Objektivität, die Vollständigkeit und die Richtigkeit der Informationen oder Botschaften.

 

Die Gefahr ist sehr groß, dass durch einseitige, lückenhafte oder falsche Berichte ein Bild aufgebaut wird, das mit der tatsächlichen Lebenssituation des Kindes überhaupt nichts zu tun hat. Es spielt auch keine Rolle, ob das bewusst – verbunden mit einer Absicht – oder unbewusst geschieht. Denn so oder so ist der Schaden für die Vater-Kind-Beziehung enorm.

 

Und bevor an dieser Stelle ein Aufschrei durch die Reihen der Mütter geht, die vielleicht den Eindruck haben, ich würde ihnen den Schwarzen Peter zuschieben: Väter tragen hierbei die Verantwortung, sich ernsthaft zu interessieren, aufmerksam zuzuhören und die richtigen Fragen zu stellen. Ich würde es so formulieren: Väter haben die Holschuld und Mütter die Bringschuld. Nur wenn beide ihre Aufgabe gewissenhaft erledigen, ist alles in Butter.

 

Somit steht neben der Regelmäßigkeit auch noch die Qualität der Kommunikation. Hört sich doch ganz einfach an: telefoniert wöchentlich miteinander und unterhaltet Euch vernünftig. Wenn da nicht diese blöden Emotionen wären, die ständig dazwischen funken und alles so kompliziert machen. Aber warum eigentlich?

 

Warum? Weil man nicht nur als Mutter und Vater miteinander kommuniziert, sondern auch als Ex-Eheleute, Ex-Liebhaber, Ex-Partner, Ex-Freunde, Ex-Mitbewohner oder Ex-Vertraute. Als Vater und Mutter käme man vermutlich gut miteinander klar, aber die anderen mischen auch noch mit, entweder einzeln oder im schlimmsten Fall alle zusammen.

 

Diese kleine Vorsilbe Exist eng verbunden mit Verletzung, Enttäuschung, Frustration, Traurigkeit, Wut und Hass. Da kann es passieren, dass die Kommunikation zwischen Vater und Mutter immer wieder in dieselbe Ecke abdriftet, sodass der eigentliche Grund des Anrufs vollkommen in Vergessenheit gerät und schlussendlich außer gegenseitigen Schuldzuweisungen kein Austausch möglich ist. Kein Wunder, wenn unter solchen Umständen die nächste Kontaktaufnahme erst nach vielen Tagen oder Wochen geschieht.

 

Das ist natürlich fatal, wenn es eigentlich um die pubertären Kapriolen der Tochter gehen soll, aber letztendlich nur mit der emotionalen Keule aufeinander eingedroschen wird. Dass dabei in erster Linie das Kind und sein Wohlergehen auf der Strecke bleiben, brauche ich wohl nicht ausdrücklich zu erwähnen. Und dass darunter auch die Vater-Kind-Beziehung massiv leidet, weil die Mutter zur unüberwindbaren Hürde wird, ist ebenfalls nachvollziehbar. Aber was tun?

 

Meine Erfahrung ist, dass an erster Stelle die eigene Grundhaltung überprüft und eventuell nachjustiert werden muss: was ist mein eigentlicher Beweggrund? Geht es mir wirklich nur darum zu erfahren, wie es um mein Kind steht oder wann das nächste Treffen möglich ist? Oder ist das nur der Vorwand, um in Wirklichkeit meiner Ex-Frau mal so richtig die Meinung zu geigen? Das ist jetzt vielleicht etwas überspitzt, aber ich hoffe, es wird deutlich, was ich meine.

 

Und es ist ebenfalls wichtig, diesen Beweggrund gleich zu Anfang der Kommunikation hervorzuheben. Es sollte beiden – Vater und Mutter – klar sein, warum das Telefonat stattfindet oder warum die E-Mail geschrieben wird. Nichts ist belastender, als die ganze Zeit darüber zu spekulieren, was der andere denn eigentlich will, und permanent auf Schlimmeres gefasst zu sein.

 

Dieser Beweggrund gibt der Kommunikation einen Rahmen, in dem man sich hoffentlich einigermaßen entspannt und sicher bewegen kann. Und wenn Vater und Mutter es schaffen, bei der Sache zu bleiben, und im Anschluss das Gespräch höflich zu beenden, dann macht das Mut für die nächste Kontaktaufnahme.

 

Ich würde hier den Begriff der Gesprächshygiene ins Spiel bringen: Kommunikation frei von Angriffen, Verletzungen, Klagen und sonstigen Nebensächlichkeiten. Kommunikation, die dem Wohl des Kindes und der Eltern-Kind-Beziehung dient.

 

Und selbst, wenn – aus Versehen – ein unbedachtes Wort fällt, so muss das nicht gleich dazu führen, dass die Gegenseite den Ball aufnimmt. Um den eigentlichen Anlass nicht aus den Augen zu verlieren, und zum Wohl des Kindes, ist es durchaus hilfreich und auch statthaft, manches einfach zu ignorieren.

 

Ich gebe zu, es erfordert viel Übung und den unbedingten Wunsch, vernünftig und konstruktiv miteinander zu kommunizieren. Und trotz aller guten Vorsätze wird es nicht jedes Mal funktionieren. Aber auch aus dem Scheitern lässt sich – mit etwas gutem Willen – für den nächsten Anlauf sehr viel lernen!

 

Wie kommunizierst Du mit der Mutter Eures Kindes? Was hilft Dir oder Euch, dass die Gespräche nicht gleich aus dem Ruder laufen? Wie schaffst Du es, immer wieder den Kontakt aufzunehmen, auch wenn es irgendwie schwierig ist? Schreibe mir und teile Deine Erfahrungen mit mir und anderen getrennten Vätern!