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Getrennte Väter haben auch Vorteile

Rund um das Thema des getrennten Vaters gibt es sehr viele Aspekte, die es wert sind beleuchtet zu werden. In meinen früheren Beiträgen habe ich bereits über etliche Themen geschrieben, die ich aus eigener Erfahrung sehr gut kenne.

 

Alles, worüber ich geschrieben habe und noch schreiben werde, habe ich selbst erlebt. Ich schreibe weder auf Grundlage eines angelesenen Wissens, noch schreibe ich auf der Grundlage von Hören-Sagen. Was es hier zu lesen gibt, sind meine eigenen Erlebnisse und Erkenntnisse.

 

Meine bisherigen Beiträge behandeln mehr oder weniger problematische Themen. Es geht um Verlust, Schmerz, Einsamkeit, Hilflosigkeit, Ängste und Sorgen. Meine Kinder sind weit weg, wie soll ich da fröhliche Texte voller Lebensfreude und Leichtigkeit verfassen? Das wäre fast so, als würde ich eine Grabrede mit einem breiten Grinsen im Gesicht vortragen.

 

Falls Du als Leser oder auch Leserin meiner Beiträge also hin und wieder das Gefühl hast, meine Texte seien irgendwie schwer, dunkel oder deprimierend, dann wundere Dich nicht. Es liegt an den Themen, über die ich schreibe, und es liegt an den Gefühlen, welche ich beim Schreiben habe.

 

In der Reihe meiner Beiträge darf aber ein Aspekt nicht fehlen, welcher mir nicht sofort ins Auge sticht, wenn ich an die Thematik denke. Ich habe immer wieder mit mir gehadert, ob ich überhaupt darüber schreiben soll. Ich beschloss schließlich es zu tun, weil ich mich vor langer Zeit für schonungslose Ehrlichkeit und Offenheit in diesem Blog entschieden hatte. Deshalb geht es an dieser Stelle um die Vorteile, die ein getrennter Vater genießt.

 

 

Wo Schatten ist, da muss auch Licht sein

 

Falls Du jetzt denkst, dass ich spinne, weil es keine Vorteile haben kann, von seinem Kind getrennt zu sein, vermute ich, dass bei Dir der Trennungsschmerz noch sehr groß ist und die Trennung noch sehr frisch. Lies bitte trotzdem weiter, denn vielleicht gibt es Dir ein wenig Trost zu erfahren, dass die Schmerzen irgendwann nachlassen werden und die Sonne auch wieder aufgeht.

 

Bevor ich hier über die angenehmen Seiten schreibe, möchte ich betonen, dass die Trennung von meinen Kindern nicht meine Entscheidung war und sie trotz meines Widerstands passiert ist. Es war also nicht mein Wunsch, mich zu trennen, um ein paar Annehmlichkeiten genießen zu können. Aber nach vielen Monaten Dunkelheit in meiner Seele durfte ich feststellen, dass es sie gibt, diese Annehmlichkeiten. Und ich stehe dazu, dass ich sie inzwischen sehr genieße und auch nur ungern darauf verzichten würde.

 

Als ich 2006 unser gemeinsames Heim verließ und in eine eigene kleine Wohnung zog, hatte ich wirklich viel Glück. Ich musste nicht lange suchen und fand eine nette und auch bezahlbare 2-Zimmer-Dachgeschosswohnung in einer herrlichen Gegend. Der Wohnungsmarkt im Raum München war damals schon sehr angespannt und viel Auswahl hatte ich mit meinem begrenzten Budget leider nicht.

 

In dieser Wohnung hatte ich ein Doppelbett im Schlafzimmer sowie ein Schlafsofa im Wohnzimmer. Wenn meine Kinder zum Übernachten bei mir waren, überließ ich ihnen mein Schlafzimmer und bezog das Schlafsofa im Wohnzimmer jeden Abend für mich. Dies tat ich jedes zweite Wochenende sowie in den Ferien für ganze Wochen. Ich machte es gerne, weil ich mich freute, wenn meine Kinder bei mir waren. Dass mir hin und wieder am Morgen nach dem Aufstehen der Rücken weh tat, war mir relativ egal.

 

Falls Du selbst schon auf einem Schlafsofa genächtigt hast, kannst Du vielleicht nachvollziehen, wie angenehm es für mich war, als die Nächte auf dem Sofa mit dem Wegzug meiner Familie nach Hamburg deutlich weniger wurden. Denn ein Schlafsofa ist selten so bequem wie ein richtiges Bett.

 

Mit meinen Kindern unternahm ich gerne etwas, wenn sie für ein paar Tage bei mir waren. Wir spielten, malten oder bastelten zusammen, machten Spaziergänge und Radtouren in der näheren Umgebung, unternahmen Ausflüge oder verreisten gemeinsam. Es waren fast immer Aktivitäten, die uns allen Spaß machten, auch wenn es nicht immer leicht war, alle unter einen Hut zu bekommen.

 

Oft passierten solche Aktivitäten sehr spontan. Es lässt sich nicht alles planen, weil es einfach viel zu viele Unwägbarkeiten gibt: das Wetter, die Lust und Laune, die Gesundheit und andere Faktoren. Einige Aktivitäten, insbesondere Reisen, wurden natürlich schon im Vorfeld geplant und vorbereitet.

 

Es gab aber auch Tage, an denen wir uns fürchterlich langweilten, weil wir einfach keinen gemeinsamen Nenner fanden. Was der eine wollte, passte für den anderen nicht. Was ich vorschlug, machte meinen Kindern keinen Spaß. Und die Wünsche meiner Kinder sprachen mich nicht an. Manchmal führte das zu einer angespannten Atmosphäre, aber meistens lief es darauf hinaus, dass jeder „sein Ding“ machte.

 

Als Arbeitnehmer in Vollzeit war und ist meine Freizeit sehr begrenzt, hauptsächlich auf die Wochenenden und meinen Urlaub beschränkt. Durch meine Kinder gehörte mir diese freie Zeit niemals ganz, und manchmal durfte ich sie sogar vollständig meinen Kindern widmen. Ich gestehe, dass ich nicht unglücklich darüber war, als ich meine Freizeit nach dem Wegzug meiner Familie beinahe uneingeschränkt meinen Wünschen und Interessen widmen konnte.

 

Meine Tochter war gerade 15 Jahre alt, als meine Familie nach Hamburg umzog. Sie steckte damals mitten in ihrer Pubertät. Ich glaube nicht, dass ich näher ausführen muss, was ich damit sagen möchte. Wer keine Ahnung hat, möge sich bitte im Internet dazu schlau machen.

 

Ich möchte an dieser Stelle lediglich folgenden Spruch wiedergeben: Ein Kind durch die Pubertät zu begleiten macht verständlich, weshalb manche Tiere ihre Jungen fressen.

 

Aufgrund der Distanz habe ich von der Pubertät meiner Tochter nur einzelne Fragmente mitbekommen. Hin und wieder konnte ich selbst erleben, wie anstrengend und nervenaufreibend manche Phasen sind. Aber im Großen und Ganzen ist dieser Abschnitt ihrer Jugend an mir vorbei gegangen, ohne mich ernsthaft zu tangieren. Auf die spätere Pubertät meines Sohnes trifft das übrigens genauso zu. Ehrlich gesagt bin ich dafür sehr dankbar.

 

Außer der Pubertät gibt es noch weitere Ereignisse, die alles andere als einfach sind. Dazu zähle ich Krankheit, schulische Probleme, Liebeskummer und andere alltägliche Sorgen und Nöte. Ein Kind dabei zu begleiten kostet in der Regel viel Zeit, Nerven und Energie, schlaflose Nächte inbegriffen. Nicht selten gerät ein Vater oder eine Mutter dadurch an die eigenen Grenzen.

 

Ich wusste natürlich, wenn meine Kinder ernsthaft krank waren oder Probleme in der Schule hatten. Aber davon nur zu wissen ist die eine Seite, es aktiv zu begleiten, zu unterstützen und auszuhalten ist eine ganz andere Seite. Es ist zwar nicht immer leicht, von Problemen zu wissen und nicht helfen zu können, aber letztendlich war es für mich doch der einfachere Teil. An dieser Stelle danke ich deshalb der Mutter meiner Kinder aufrichtig  für ihre jahrelange Fürsorge.

 

Diese wenigen Beispiele sollen zeigen, dass tatsächlich auch Vorteile bestehen, wenn man sein Kind nur selten oder überhaupt nicht bei sich hat. Die Beispiele entstammen aus meinem Erleben, Du kannst vielleicht noch ganz andere Vorteile aufzählen. Wie auch immer, es sollen nur ein paar Kostproben sein, die deutlich machen, dass nicht alles nur schlechter wird, sondern manches auch besser.

 

 

Bist Du so frei?

 

Darf man sich als getrennter Vater eigentlich erlauben, Dinge zu genießen, die nur deshalb existieren, weil das Kind weg ist? Darf man sich über neue Freiräume freuen oder ist man zur dauerhaften Trauer und Depression verpflichtet, weil alle anderen Gefühle unangebracht wären?

 

Nach meiner Erfahrung beginnt der Genuss nicht sofort nach dem Verlust des Kindes, sondern stellt sich ganz allmählich ein. Je weiter die Trauer und der Schmerz in den Hintergrund rücken, umso mehr Raum ist vorhanden für Freude und Zuversicht. Und es entsteht auch Raum für neue Sichtweisen, neue Perspektiven und Blickwinkel. Darf das sein?

 

Ich denke, es ist sogar absolut wichtig, dass diese Freude, der Optimismus und auch der Genuss da sein dürfen und ihren Platz bekommen. Denn diese Gefühle helfen dem Vater dabei, seine Lebensumstände anzunehmen und, wie man so schön sagt, das Beste daraus zu machen. Am Ende des Tages ist das nicht nur für den Vater bereichernd und motivierend, sondern auch für sein Kind.

 

Hast Du auch schon die Erfahrung gemacht, dass es durchaus angenehme Seiten hat, sein Kind nur selten zu sehen? Weißt Du zu schätzen, dass Du wieder Dinge genießen kannst, die Du mit Deinem Kind nicht genießen könntest? Oder erlaubst Du Dir (noch) nicht, ohne Dein Kind glücklich zu sein? Schreibe mir und teile Deine Erfahrungen mit mir und anderen getrennten Vätern!