· 

Lass Dich nicht ausbooten, Papa

Der Ausdruck „Ausbooten“ kommt aus der Seefahrt und bedeutet, ein Schiff zu verlassen. Da große Schiffe wegen ihres Tiefgangs oft nicht bis zum Ufer fahren können, werden die Passagiere oder auch die Fracht mit kleinen Booten zum Ufer gebracht, also ausgebootet.

 

Umgangssprachlich bedeutet der Ausdruck, jemanden aus einer Position zu verdrängen. Die Mittel, die zum Ausbooten verwendet werden, sind oft unerlaubt und nicht fair. In einem Wettbewerb, der mit fairen Mitteln und regelgerecht ausgetragen wird, gibt es keine ausgebooteten Konkurrenten, sondern nur Gewinner und Verlierer. Manche Menschen sprechen lieber vom ersten und vom zweiten Sieger.

 

Wer ausgebootet wurde, ist gar nicht mehr im Spiel und hat auch keinen Einfluss mehr auf das Geschehen oder dessen Ausgang. Somit kann jemand, der ausgebootet wurde, weder Verlierer noch Gewinner sein. Ausgebootet zu sein bedeutet: „Ich bin komplett raus. Endgültig!“.

 

Während ein Verlierer weiterhin im Spiel bleibt und vielleicht sogar irgendwann eine faire Revanche bekommt, hat der Ausgebootete keine Chance auf Revanche oder auf ein Rückspiel. Deshalb ist es so wichtig, unter allen Umständen im Spiel zu bleiben. Niederlagen können verkraftet werden, auch wenn es manchmal hart ist. Aber ausgebootet zu werden ist das endgültige Aus.

 

 

Wie bootet man den Papa aus?

 

Wie es in der Seefahrt funktioniert, wissen wir jetzt. Aber wie wird ein Papa aus seiner Familie - dem großen Schiff - ausgebootet? Was sind die Mittel - die kleinen Boote - die ihn vom Schiff wegbringen? Wer bringt ihn überhaupt dazu, in ein Boot zu steigen? Und wer rudert mit ihm weg? Oder rudert er am Ende selber?

 

Ich äußere an dieser Stelle eine These, die vielleicht etwas provokant ist. Du denkst unter Umständen gleich, dass ich vollkommen falsch liege. Wenn das so ist, dann melde Dich gerne bei mir, um mir Deine Sicht der Dinge zu beschreiben. Ich bin gespannt und freue mich auf Dein Feedback.

 

Meine These lautet: Ein ausgebooteter Papa hat sich freiwillig in das Boot gesetzt und ist selbst weggerudert!

 

Provokant, wie gesagt, und bestimmt auch nicht für jeden Einzelfall zutreffend. Aber ich bleibe trotzdem bei dieser Aussage und möchte nachfolgend versuchen zu erklären, warum ich das so sehe.

 

Ich vertrete die Ansicht, dass weder die Mutter des Kindes noch das Jugendamt oder das Familiengericht einen Papa aus seiner Familie ausbooten können. Diese Menschen und  Institutionen können einem Papa schwere Niederlagen bescheren und ihm viele Steine in den Weg legen, aber sie können ihn nicht ausbooten.

 

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle kurz erklären, was ich in diesem Zusammenhang unter „Ausbooten“ verstehe. Du hast unter Umständen eigene Vorstellungen davon, die das Verständnis des Beitrags beeinflussen können.

 

Wie weiter oben bereits beschrieben bedeutet es für mich, endgültig und komplett raus zu sein. Zunächst einmal raus aus dem Familienverbund, raus aus der Familienwohnung und raus aus dem Familienalltag. Dies geschieht in der Regel bereits durch die Trennung und Scheidung.

 

Ein solcher Papa hat zwar Niederlagen kassiert, trotzdem hat er weiterhin regelmäßigen Kontakt zu seinem Kind, kümmert sich und ist in Liebe verbunden. Er ist weiter im Spiel, also noch längst nicht ausgebootet.

 

Problematischer wird es, wenn dieser Papa durch Maßnahmen der Mutter (zum Beispiel einen Umzug), durch Fehlentscheidungen des Jugendamts oder durch das Urteil eines Richters sein Kind kaum noch oder überhaupt nicht mehr sehen kann. Wenn er degradiert wird zum Unterhaltspflichtigen, aber abgesehen davon keine Rechte mehr hat. Ist der Papa nun ausgebootet?

 

Vielleicht sagst Du jetzt: „Ja, ganz eindeutig!“. Falls das so ist, frage ich Dich, was mit Deiner Liebe zu Deinem Kind ist? Was ist mit dieser tiefen und innigen Herzensverbindung, die Du zu Deinem Kind hast? Was ist mit dem Wissen, dass das Kind ein Teil von Dir ist? Ist das alles weg, bloß weil ein Richter entschieden hat, dass Du Dein Kind nicht mehr sehen darfst?

 

So richtig schwierig wird es, wenn Dein Kind durch Beeinflussung der Mutter oder anderer Bezugspersonen von Dir nichts mehr wissen will. Wenn es vielleicht sogar Angst vor Dir hat oder Dich hasst, weil ihm Geschichten über Dich erzählt werden, die zwar nicht stimmen, aber trotzdem ihre Wirkung beim Kind nicht verfehlen.

 

Aber selbst dann, wenn eigentlich alles kaputt ist, was die Verbindung zu Deinem Kind ausgemacht hat, kann noch Deine Liebe da sein. Diese Liebe ist zwar einseitig und wird nicht mehr erwidert, aber es liegt an Dir, ob Du diese kleine Flamme am Leben erhältst oder sie erlöschen lässt. Oder ob Du sie eines Tages vielleicht selbst auslöschst. Aber niemand kann sie Dir wegnehmen, kein Mensch und keine Institution.

 

Zum Glück haben meine Kinder und ich nie Erfahrungen mit Verleumdung, Jugendamt oder Familiengericht machen müssen. Dafür bin ich sehr dankbar. Über meine Familie wurde keine behördliche Entscheidung getroffen und kein gerichtliches Urteil gefällt. Was sich in meiner Familie abgespielt hat, geschah ohne Zutun von außen.

 

Vielleicht denkst Du jetzt, dass ich dann ja gar nicht mitreden kann. Damit liegst Du richtig, wenn es um Verleumdung, Jugendamt und Familiengericht geht. Wenn es aber darum geht, sein Kind nur noch ein- bis zweimal im Jahr zu sehen, dann kann ich sehr wohl mitreden. Ich weiß, wie es ist, wenn die Kontakte so selten werden, dass man zwischenzeitlich fast vergisst, wer man ist - nämlich ein Vater.

 

Ich habe viele Niederlagen einstecken müssen und bin in so mancher Auseinandersetzung der Verlierer gewesen. Aber trotzdem bin ich als Papa zu keinem Zeitpunkt ausgebootet worden. Ich war stets in Liebe mit meinen Kindern verbunden und immer für sie da, so gut es eben unter den gegebenen Umständen möglich war.

 

Ich gebe zu, dass es extrem schwierig ist, an Bord zu bleiben, wenn man kaum noch Kontakt zu seinem Kind hat. Wenn man zwar regelmäßig Unterhalt zahlt, aber abgesehen von dieser Pflicht keine Rechte mehr hat. Wenn diese Rechte vielleicht noch auf dem Papier existieren, aber in der Praxis mit Füßen getreten oder ignoriert werden.

 

Ich gestehe auch, dass die Schmerzen zeitweise unerträglich sind, dass Wut, Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit übermächtig werden. Die vielen verlorenen Jahre, die durch nichts ersetzt werden können. Die ganze Vaterliebe, die ungenutzt verpufft ist, weil sie niemand haben wollte. Die vielen verpassten Gelegenheiten und versäumten Momente.

 

Irgendwann ist das Fass voll, die zahlreichen Niederlagen sind unerträglich, man hält das nicht mehr aus. Es gibt keine Hoffnung und keine Perspektive mehr. Also wozu das alles noch länger ertragen? Das ist unter Umständen der Punkt, an dem ein Vater die Entscheidung trifft, sich selbst auszubooten. Um sich zu schützen und dem Leiden ein Ende zu setzen. Er wendet sich ab und verschwindet endgültig aus dem Leben seines Kindes.

 

Verständlich und absolut nachvollziehbar, aber wie gesagt, damit ist man komplett raus. Keine Chance mehr auf Revanche oder auf ein Rückspiel. Keine Chance, seinem Kind irgendwann wieder näher zu kommen und die Verbindung mit neuem Leben zu erfüllen. Und was das unter Umständen für das Kind bedeutet, möchte ich an dieser Stelle lieber nicht im Detail ausbreiten.

 

 

… Vater sein dagegen sehr (Wilhelm Busch)

 

Die Überschrift diese Beitrags lautet zwar: „Lass Dich nicht ausbooten, Papa“, aber eigentlich sollte sie lauten: „Boote Dich nicht selbst aus, Papa!“.

 

Es kann verdammt schwer oder schier unmöglich sein, mit seinem Kind verbunden zu bleiben. Das Verhalten der Mutter, behördliche oder gerichtliche Entscheidungen können zu unüberwindbaren Hürden werden. Einem Vater kann so ziemlich alles genommen werden, was die Beziehung zum eigenen Kind ausmacht. Aber die Liebe und Herzensverbindung kann Dir niemand nehmen, denn diese Gefühle haben ihre Quelle in Dir.

 

Mit der Kraft dieser Liebe kannst Du Türen offen halten, auch solche, die von anderen zugeschlagen werden. Du kannst da sein, auch wenn Du alleine dastehst. Du kannst ein Angebot machen und aufrecht erhalten, auch wenn dieses Angebot nicht angenommen wird. Du kannst Papa sein für das Kind, das seinen Platz in Deinem Herzen hat.

 

Ich kann Dir nichts garantieren, aber ich bin sicher, dass es nicht vorbei ist, bevor es vorbei ist!

 

Hast Du auch schon erlebt, wie durch die Entscheidung anderer Menschen die Beziehung zu Deinem Kind zerstört wurde? Musstest Du Dich einem Urteil beugen, das einen Keil zwischen Dich und Dein Kind getrieben hat? Wurde Dein Kind so lange belogen, bis es Dich nicht mehr sehen wollte? Wurdest Du regelrecht ausgebootet oder hast Du es trotzdem geschafft, an Bord zu bleiben? Schreibe mir und teile Deine Erfahrungen mit mir und anderen getrennten Vätern!