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Einblicke in das Familienrecht im BGB

Als getrennter Vater steht man unweigerlich irgendwann an dem Punkt, an dem man sich fragt, welche Rechte und Pflichten man gegenüber seinem Kind noch hat. Insbesondere das Recht auf regelmäßigen Umgang spielt eine große Rolle, denn wenn das eigene Kind schon bei seiner Mutter lebt, möchte man es wenigstens so oft wie möglich sehen, und nicht nur Unterhalt zahlen.

 

Neben dem Recht auf Umgang mit seinem Kind gibt es auch die Pflicht, alles zu unterlassen, was das Verhältnis des Kindes zum anderen Elternteil beeinträchtigt. Es ist somit verboten, sein Kind dahingehend zu beeinflussen, dass es den anderen Elternteil irgendwann ablehnt und sich weigert, den Vater oder die Mutter zu treffen.

 

Im Bürgerlichen Gesetzbuch, Buch 4 (Familienrecht), Abschnitt 2 (Verwandtschaft) ist eine Reihe von Paragraphen zu finden, welche die Grundlage für wichtige Entscheidungen bilden. Im günstigsten Fall werden diese Entscheidungen direkt zwischen Mutter und Vater getroffen, im ungünstigsten Fall von einem Gericht oder vom Jugendamt.

 

Ich habe für diesen Beitrag einige Paragraphen ausgewählt und zusammengestellt, die in meinen Augen ganz besonders erwähnenswert sind. Diese Zusammenstellung ersetzt aber keine juristische Beratung durch einen Fachmann, das möchte ich ausdrücklich betonen.

 

Wenn Du Dich noch intensiver damit beschäftigen möchtest, findest Du die vollständigen und aktuellen Inhalte des BGB unter dejure.org.

 

 

§ 1592 Vaterschaft

 

Vater eines Kindes ist der Mann,

1.    der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter des Kindes verheiratet ist,

2.    der die Vaterschaft anerkannt hat oder

3.    dessen Vaterschaft nach § 1600d oder § 182 Abs. 1 des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit gerichtlich festgestellt ist.

 

 

§ 1618a Pflicht zu Beistand und Rücksicht

 

Eltern und Kinder sind einander Beistand und Rücksicht schuldig.

 

 

§ 1626 Elterliche Sorge, Grundsätze

 

(1) Die Eltern haben die Pflicht und das Recht, für das minderjährige Kind zu sorgen (elterliche Sorge). Die elterliche Sorge umfasst die Sorge für die Person des Kindes (Personensorge) und das Vermögen des Kindes (Vermögenssorge).

(2) Bei der Pflege und Erziehung berücksichtigen die Eltern die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes zu selbständigem verantwortungsbewusstem Handeln. Sie besprechen mit dem Kind, soweit es nach dessen Entwicklungsstand angezeigt ist, Fragen der elterlichen Sorge und streben Einvernehmen an.

(3) Zum Wohl des Kindes gehört in der Regel der Umgang mit beiden Elternteilen. Gleiches gilt für den Umgang mit anderen Personen, zu denen das Kind Bindungen besitzt, wenn ihre Aufrechterhaltung für seine Entwicklung förderlich ist.

 

 

§ 1627 Ausübung der elterlichen Sorge

 

Die Eltern haben die elterliche Sorge in eigener Verantwortung und in gegenseitigem Einvernehmen zum Wohl des Kindes auszuüben. Bei Meinungsverschiedenheiten müssen sie versuchen, sich zu einigen.

 

 

§ 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge

 

(1) Die Personensorge umfasst insbesondere die Pflicht und das Recht, das Kind zu pflegen, zu erziehen, zu beaufsichtigen und seinen Aufenthalt zu bestimmen.

(2) Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.

 

 

§ 1684 Umgang des Kindes mit den Eltern

 

(1) Das Kind hat das Recht auf Umgang mit jedem Elternteil; jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt.

(2) Die Eltern haben alles zu unterlassen, was das Verhältnis des Kindes zum jeweils anderen Elternteil beeinträchtigt oder die Erziehung erschwert. Entsprechendes gilt, wenn sich das Kind in der Obhut einer anderen Person befindet.

 

 

§ 1685 Umgang des Kindes mit anderen Bezugspersonen

 

(1) Großeltern und Geschwister haben ein Recht auf Umgang mit dem Kind, wenn dieser dem Wohl des Kindes dient.

(2) Gleiches gilt für enge Bezugspersonen des Kindes, wenn diese für das Kind tatsächliche Verantwortung tragen oder getragen haben (sozial-familiäre Beziehung). Eine Übernahme tatsächlicher Verantwortung ist in der Regel anzunehmen, wenn die Person mit dem Kind längere Zeit in häuslicher Gemeinschaft zusammengelebt hat.

 

 

§ 1686 Auskunft über die persönlichen Verhältnisse des Kindes

 

Jeder Elternteil kann vom anderen Elternteil bei berechtigtem Interesse Auskunft über die persönlichen Verhältnisse des Kindes verlangen, soweit dies dem Wohl des Kindes nicht widerspricht.

 

 

§ 1687 Ausübung der gemeinsamen Sorge bei Getrenntleben

 

(1) Leben Eltern, denen die elterliche Sorge gemeinsam zusteht, nicht nur vorübergehend getrennt, so ist bei Entscheidungen in Angelegenheiten, deren Regelung für das Kind von erheblicher Bedeutung ist, ihr gegenseitiges Einvernehmen erforderlich. Der Elternteil, bei dem sich das Kind mit Einwilligung des anderen Elternteils oder auf Grund einer gerichtlichen Entscheidung gewöhnlich aufhält, hat die Befugnis zur alleinigen Entscheidung in Angelegenheiten des täglichen Lebens. Entscheidungen in Angelegenheiten des täglichen Lebens sind in der Regel solche, die häufig vorkommen und die keine schwer abzuändernden Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben. Solange sich das Kind mit Einwilligung dieses Elternteils oder auf Grund einer gerichtlichen Entscheidung bei dem anderen Elternteil aufhält, hat dieser die Befugnis zur alleinigen Entscheidung in Angelegenheiten der tatsächlichen Betreuung.

 

 

§ 1697a Kindeswohlprinzip

 

Soweit nichts anderes bestimmt ist, trifft das Gericht in Verfahren über die in diesem Titel geregelten Angelegenheiten diejenige Entscheidung, die unter Berücksichtigung der tatsächlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten sowie der berechtigten Interessen der Beteiligten dem Wohl des Kindes am besten entspricht.

 

 

Persönlich bin ich der Meinung, dass Du es unbedingt anstreben solltest, Dich direkt zu einigen: entweder mit der Mutter Deines Kindes oder, wenn das Kind bereits älter ist, mit dem Kind selbst. Ich denke, das ist allemal besser als der Gang zum Gericht oder zum Jugendamt.

 

Ich weiß aber, dass die direkte Einigung nicht in jedem Fall möglich und eine dritte Partei oft nicht zu vermeiden ist. Bevor der Gang zum Anwalt erfolgt, wäre unter Umständen eine Mediation der richtige Weg, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Einen Versuch ist es auf alle Fälle wert, setzt aber voraus, dass beide Seiten, also Mutter und Vater, das auch wollen.

 

Hast Du auch schon Erfahrung mit dem Jugendamt oder dem Familiengericht gemacht? Was hat dazu geführt, dass Du einen Anwalt aufgesucht hast? Wie sind Deine Erfahrungen mit einer Mediation? Oder ist es Euch bisher gelungen, alle Entscheidungen ohne Zutun eines Dritten - also einvernehmlich - zu treffen? Schreibe mir und teile Deine Erfahrungen mit mir und anderen getrennten Vätern!